Soziotherapie


Was ist Soziotherapie

Soziotherapie ist eine verordnungsfähige Leistung der Krankenkasse. Sie ist eine begleitende, koordinierende Maßnahme,
deren individuelle Ziele in einem Betreuungsplan definiert werden. Die Verordnung erfolgt über einen Psychiater / Neurologen.
Ihr Hausarzt kann Soziotherapie zur Indikationsstellung verordnen.
Soziotherapie versteht sich als unterstützende, methodenübergreifende Hilfeleistung. Sie berücksichtigt die krankheitsbeeinflussenden Faktoren im sozialen Umfeld des Betreffenden und versucht durch Vermittlung von Hilfeangeboten und Ausweitung der persönlichen Kompetenz,  diese zu beheben. Die Soziotherapie stellt damit eine flankierende psychosoziale Betreuung dar.

Zielgruppe und Indikationen


Nach der Soziotherapie-Richtlinie können Personen mit folgenden Diagnosen im Rahmen der Soziotherapie ambulant betreut werden:

  • Schizophrenie (F20.0 bis F 20.6)
  • Schizotype Störung (F 21)
  • Anhaltende wahnhafte Störung (F22)
  • Induzierte wahnhafte Störung (F24)
  • Schizoaffektive Störung (F25)
  • Gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen im Rahmen einer bipolar affektiven Störung (F31.5)
  • Schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen (F32.3)
  • Gegenwärtig schwere depressive Episode mit psychotischen Symptomen im Rahmen einer rezidivierenden Störung (F33.3)

 

In begründeten Ausnahmefällen erhalten auch Personen mit Diagnosen aus den Bereichen F00 bis F99 eine ärztliche Verordnung, insbesondere bei relevanten Co-Morbiditäten und stark eingeschränkten Fähigkeiten.
Die Schwere der Erkrankung muss zusätzlich durch einen bestimmten Wert auf der GAF-Skala angegeben werden. Die GAF-Skala ist eine Skala, die eine Spanne von sehr krank - 0 Punkte - bis zu sehr gesund - 100 Punkte - beschreibt. Ein Wert zwischen 0 und 40, höchstens 50 Punkten ist soziotherapiefähig.


Folgende Fachärzte können Soziotherapie verordnen:

  • Facharzt oder Fachärztin für Neurologie
  • Facharzt oder Fachärztin für Psychiatrie
  • Facharzt oder Fachärztin für Nervenheilkunde
  • Fachärzte oder Fachärztinnen der psychiatrischen Institutsambulanzen (PIA) 
  • Hausärzte (5 Sitzungen*)

Andere Vertragsärztinnen oder -ärzte können können an einen der o.g. Fachärzte überweisen. Wenn der Patient nicht in der Lage ist, diese Überweisung selbständig in Anspruch zu nehmen, können unsere Soziotherapeuten per Verordnung von diesen Ärzten hinzugezogen werden.

 

Alle Informationen zur Verordnung erhalten Sie von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:

http://www.kbv.de/media/sp/PraxisWissen_Soziotherapie.pdf

 

Seit Juni 2017, können auch psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Soziotherapie verordnen.

Weitere Informationen erhalten Sie beim BPtK

http://www.bptk.de/aktuell/einzelseite/artikel/neue-befugni.html

 

Soziotherapie für junge Menschen

 

In der Westfälischen Praxis besteht ein spezielles Angebot für junge Menschen im Alter von 15 bis 25 Jahren. Diese werden von Systemischen (Familien)Therapeuten begleitet, die auf die Zusammenarbeit mit diesem Personenkreis spezialisiert sind. Die besonderen Anforderungen wie z.B. intensive Einbindung der Familie oder Erarbeitung von Ausbildungsperspektiven finden hier Berücksichtigung.

 


Ziele der Soziotherapie

  • Vermeidung und Verkürzung von Krankenhausaufenthalten
  • Inanspruchnahme von ärztlichen und ärztlich verordneten Maßnahmen
  • Gesundheitliche Stabilisierung
  • Wahrnehmung der Krankheit
  • Handlungsmöglichkeiten in Krisen
  • Förderung der Selbständigkeit und Eigeninitiative
  • Verbesserung und Erhalt sozialer Kompetenzen

 

Methoden der Soziotherapie

  • Individuelle Hilfeplanung
  • Erarbeitung der krankheitsbeeinflussenden Faktoren
  • Gespräche über Situationen, Krankheit, Probleme und Ängste des erkrankten Menschen
  • Tagesstrukturierung und lebenspraktisches Training
  • Förderung und Erhalt von sozialen Kontakten
  • Motivation und Begleitung zur Inanspruchnahme ärztlich verordneter Leistungen
  • Rechtzeitiges Erkennen von Krisen, um eine erhebliche Verschlimmerung zu vermeiden oder Hilfen zu vermitteln
  • Koordinationshilfen zur Nutzung des vorhandenen Hilfesystems

Kosten

 

Die Kosten für die Soziotherapie übernimmt Ihre Krankenkasse. Bei Patienten über 18 Jahren muss allerdings ein Eigenanteil von 10% geleistet werden. Bei Personen mit einem Befreiungsaussweis fallen diese Kosten unter Umständen weg. Bitte informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.

 

Weitere Informationen erhalten Sie in einem persönlichen Gespräch oder auf nachstehenden Internetseiten.

http://wp.soziotherapie.eu/

www.g-ba.de/informationen/richtlinien/24/

 

* Auszug KBV PraxisWissen / Soziotherapie S.4: "Erachtet ein Hausarzt eine Soziotherapie für seinen Patienten als erforderlich, überweist er ihn zu einem Arzt, der Soziotherapie verordnen darf. Kommt er aber zu der Einschätzung, dass sein Patient diese Überweisung alleine nicht in Anspruch nehmen kann, greift eine Ausnahmeregelung: Der überweisende Arzt darf einen Soziotherapeuten per Verordnung hinzuziehen, der den Patienten motivieren soll, überhaupt einen Facharzt aufzusuchen, der für einen längeren Zeitraum verordnen kann."

Artikel zur Soziotherapie in der Recklinghäuser Zeitung